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Loading_Fass anschließen und richtig zapfen

Ein Fass anzuschließen ist keine Kunst, wenn man einmal verstanden hat, welcher Zapfkopf auf welches Fass gehört und warum. Diese Anleitung deckt beides ab: die Auswahl des richtigen Kopfes und den Fasswechsel Schritt für Schritt.

Zapfköpfe: Es entscheidet das Fitting, nicht die Brauerei

Der häufigste Denkfehler: Man sucht den Zapfkopf nach der Brauerei oder dem Bierstil aus. Tatsächlich zählt allein das Fitting — das Ventil oben im Fassdeckel. Es gibt weltweit eine Handvoll Bauarten, und jede braucht ihren passenden Kopf.

ZapfkopfFittingVerbreitung
Flach (Typ A)flaches Ventil, bündig im DeckelDeutschland, deutscher Standard bei den meisten Fässern
Korb (Typ S)Ventil in einer korbartigen VertiefungEuropäischer Sankey-Standard, viele Importfässer
KeyKeg (K-Typ)Kunststoffventil auf dem Einwegfassausschließlich KeyKegs, PolyKegs

Die drei sind nicht austauschbar. Wer sowohl klassische Kegs als auch KeyKegs zapfen will, braucht mindestens zwei Köpfe. Alle drei findest du bei uns unter Equipment.

Wie du das Fitting erkennst

Im Zweifel: Fotografiere den Fassdeckel und schick uns das Bild über die Kontaktseite. Wir sagen dir, welcher Kopf passt.

Was ein KeyKeg anders macht

Im klassischen Keg drückt das CO₂ direkt auf das Bier. Im KeyKeg liegt das Bier in einem Beutel, und das Gas drückt von außen auf diesen Beutel. Gas und Bier berühren sich nie. Daraus ergeben sich drei praktische Vorteile:

Der Gegendruck liegt bei KeyKegs meist etwas höher als bei Standardfässern. Orientiere dich an der Angabe der Brauerei; ohne Angabe sind 1,0 bis 1,5 bar ein brauchbarer Startwert.

Fass wechseln: Schritt für Schritt

Reihenfolge ist hier wichtig. Wer den Zapfkopf unter Druck abnimmt, bekommt eine Bierdusche und im schlechteren Fall einen Schlag durch den zurückschnellenden Hebel.

Altes Fass abnehmen

  1. Gasflasche zudrehen. Immer zuerst. Absperrventil an der CO₂-Flasche schließen.
  2. Druck ablassen. Über das Überdruckventil am Zapfkopf oder am Druckminderer, bis das Manometer auf null steht.
  3. Hebel lösen. Den Hebel nach oben ziehen oder nach oben klappen. Er muss sich leicht bewegen lassen — geht er schwer, steht noch Druck an.
  4. Zapfkopf abnehmen durch abziehen oder drehen mit einer Vierteldrehung.
  5. Kopf abstellen, nicht auf den Boden legen. Was am Fitting haftet, landet sonst im nächsten Fass.

Neues Fass anschließen

  1. Fass ruhen lassen. Wurde es gerade transportiert, gib ihm 30 Minuten. Aufgeschütteltes Bier schäumt sonst durch die ganze Leitung.
  2. Fitting und Zapfkopf reinigen. Staub und Reste mit Wasser abspülen (Saucenflasche aus Plastik mit Dosierkopf). Der Deckel ist die Schnittstelle zum Bier.
  3. Desinfizieren. Aufsprühen von geeignetem Desinfektionsmittel.
  4. Zapfkopf aufsetzen, aufschieben oder mit einer Vierteldrehung im Uhrzeigersinn verriegeln.
  5. Hebel herunterdrücken beziehungsweise einrasten. Jetzt ist das Fass angestochen.
  6. Gas aufdrehen und den Druck am Druckminderer einstellen.
  7. Erstes Glas verwerfen. In der Leitung steht Restbier vom vorigen Fass.

Den richtigen Druck einstellen

Der Ausschankdruck hängt von drei Dingen ab: dem Kohlensäuregehalt des Biers, der Temperatur und der Höhendifferenz zwischen Fass und Zapfhahn. Als Startwerte bei gekühltem Bier und kurzer Leitung:

Pro Meter Höhenunterschied nach oben kommen rund 0,1 bar dazu. Reines CO₂ reicht für kurze Wege; bei langen Leitungen arbeitet man mit Mischgas aus CO₂ und Stickstoff oder Pumpen, damit das Bier nicht überkarbonisiert.

Richtig zapfen

  1. Glas ausspülen, kalt. Ein trockenes oder fettiges Glas zerstört den Schaum. Spülmittelreste ebenso.
  2. Glas schräg halten, etwa 45 Grad, den Hahn NIEMALS ins Bier eintauchen.
  3. Hahn ganz öffnen. Halb geöffnet erzeugt Turbulenz und damit Schaum.
  4. Glas aufrichten, sobald es zu zwei Dritteln voll ist.
  5. Schaumkrone aufsetzen, dann den Hahn zügig und vollständig schließen.

Die oft zitierten sieben Minuten stammen aus der Pilsener Tradition und sind für Craft Beer weder nötig noch sinnvoll — hopfenbetonte Biere verlieren dabei genau die Aromen, für die sie gebraut wurden.

Wenn es schäumt: die häufigsten Ursachen

SymptomWahrscheinliche Ursache
Nur Schaum, kein BierBier zu warm, oder Fass wurde nicht beruhigt
Erst gut, dann zunehmend SchaumDruck zu niedrig, Bier fällt in der Leitung aus
Bier schießt herausDruck zu hoch
Schaum verschwindet sofortGlas fettig oder Spülmittelrest
Bier läuft nur tröpfelndFass fast leer, oder Leitung verstopft

Die mit Abstand häufigste Ursache ist Temperatur. Bier sollte auf Ausschanktemperatur sein, bevor das Fass angestochen wird — im Zweifel über Nacht kühlen.

Reinigung

Bierleitungen sind ein Nährboden für Hefen und Bakterien. Bei regelmäßigem Betrieb gehört die Anlage alle ein bis zwei Wochen gespült, bei gelegentlichem Betrieb nach jeder Nutzung. Zapfkopf und Hahn zerlegen, Dichtungen prüfen, mit klarem warmem Wasser oder einem Anlagenreiniger durchspülen — und gründlich nachspülen, damit nichts im ersten Glas landet.

Ein Bier, das seltsam sauer oder muffig schmeckt, ist meist kein schlechtes Fass, sondern eine ungereinigte Leitung.

Wie viel Bier steckt in einem Fass?

Rechne bei Feiern mit etwas Schwund durch Anstich und Reinigung. Für Hochzeiten, Firmenfeiern oder Vereinsfeste reservieren wir Sude auf Anfrage vor — sprich uns rechtzeitig über die Kontaktseite an.